Thursday, 19 February 2015

Schwanger in Hamburg (Serie 4, Teil 1)

Von Anfang an: schwanger oder nicht?

Gebannt schauen wir auf das kleine weiße Streifchen. Ist da was? Oder doch nicht? 

Seit einiger Zeit steht Familienzuwachs ganz oben auf unserer To-Do-Liste. Kein ganz einfaches Thema, denn wir sind nicht mehr die aller Jüngsten und umgeben von Gleichaltrigen, die schon eine ganze Zeit daran arbeiten (Wie sonst kann man es nach so langer Zeit nennen?), ein Kind zu bekommen.

Nichtsdestotrotz, wir sind frohen Mutes!

Uuuuund....es stellt sich heraus, glücklicher Weise, zurecht! Denn langsam zeichnet sich eine hell-rosa Linie ab. Hurra, wir sind schwanger!

Wir sind schwanger: Und jetzt? Wie geht es weiter? 

Wow, wir bekommen ein Kind! Was jetzt? So lange ersehnt, haben wir keine Ahnung, was wir jetzt machen sollen. 

Naja, in Ermangelung anderer Ideen, sollten wir auf jeden Fall zuerst mal einen Termin beim Frauenarzt machen. Der hilft uns sicher weiter.
 
Zwei Wochen später beim Gynäkologen bekommen wir das offizielle Go. Dazu zwei armvoll Proben, Infoblätter und anderen Freebies. Wir taumeln, schwer beladen, die Treppen hinunter. Alles ist abgedeckt, von der Probe Pflegeöl für Mama bis zu den Kontaktdaten eines 'Oma-Netzwerkes' falls man mal in Betreuungsnot kommt. Auch ein Kondom ist dabei. Naja, das werden wir wohl vorerst nicht mehr brauchen. :)

Wir sind schwanger: die hiesige Versorgung in Hamburg

Überhaupt bekommt man, zusätzlich zu all der Werbung für Baby- und Kindersachen,  wirklich viel geschenkt, wenn man ein Kind erwartet.  

Probenauswahl, von letsfamily

Mit in unserem Paket ist auch eine Hebamme, die uns jetzt die nächsten 12 Monate begleitet. Über die Geburt hinaus bis wir alleine 'laufen können'. Detailliert werden uns alle Vorsorgetermine erläutert - insgesamt 12 an der Zahl –und jede noch so dumme Frage von uns Unwissenden - wie zum Beispiel: Tut eine PDA weh? Antwort: Meistens nein - beantwortet. 

Wir haben großes Glück, dass unsere Hebamme in unserer Frauenarztpraxis arbeitet und wir uns mit ihr sehr gut verstehen. Die Gegebenheiten haben uns viel Zeit erspart, da wir Ingrid gleich vor Ort bei jedem Vorsorgetermin bei Dr Luckhardt sehen.  Ingrid ist gerade-raus, sagt was sie denkt, und erwartet das Gleiche auch von den werdenden Eltern. Das passt sehr gut zu uns. Besser man hat vor den Presswehen ausreichend Zeit festzustellen, ob man miteinander auskommt. Die Geburt an sich ist schließlich schon anstrengend und aufregend genug, gerade beim ersten Mal!

Zu der allgemeinen Vorsorge gehört auch ein 'Generalcheck' zu anderen Fachärzten, um sicherzugehen, dass auch wirklich alles gesund und munter ist. Zähne gut, Rücken ok, Augen schlecht wie immer… macht aber nichts. 

Meine Bekannten in Wien ereifern sich im Neid, dass ich für kein an die Schwangerschaft gebundenes Rezept bezahlen muss, volle kassenärztliche Unterstützung in der Behandlung meiner Schwangerschaftsdiabetes (inklusive niegel-nagel neuem hightech Messgerät) erhalte und die Hebamme auch noch nach der Geburt zu uns nach Hause kommt.

Der nächste Schritt: Wir bereiten uns auf den Ernstfall vor

Neben den ganzen ärztlichen Kontrollen, wird uns auch ein Geburtsvorbereitungskurs ans Herz gelegt. Schließlich will man ja nicht unvorbereitet in das wahrscheinlich größte natürliche Abenteuer seines Lebens starten. Im 6. Monat ist es dann so weit und wir sitzen in einer kleinen Gruppe vor unserer Hebamme während diese voller Inbrunst die Geburt mit dazugehörigen Geräuschen demonstriert. Und als Zugabe, eine original getreue Babypuppe zwischen ihren Beinen an einer Nabelschnur pendeln lässt. 

Hebammen scheinen in dieser Hinsicht völlig schmerzfrei: Für sie ist die realitätsnahe Demonstration der Geburt, die ausführliche Erklärung und Besprechung des Becken-Boden-Bereichs mit allen dazugehörigen Details alltäglich. Von Peinlichkeit keine Spur. Selbst vor 'Live-Bildern‘ einer Geburt‚ ‚vor Ort‘ blieben wir Kursteilnehmer nicht verschont. (Wer bitte stellt so intime Bilder zur Verfügung?!) Der Partner der Dame neben mir wird schon leicht grün im Gesicht und die anderen Herren der Schöpfung rutschen, unangenehm berührt, von einer Pobacke auf die andere. Nach sieben Jahren in Großbritannien, kann ich mir bildlich vorstellen, wie meine englischen Freunde, mit solchen Tatsachen konfrontiert, vor Scham sterben würden…  

Wir sind schwanger: jetzt kann es keiner mehr übersehen

Spätestens mit Beginn des 6. Schwangerschaftsmonats, kam auch der Zeitpunkt, sich mit Umstandsmode anzufreunden. Vor allem an der Hosenfront streikte mein Kleiderschrank schnell auf voller Linie. Also auf in die bekannte große schwedische Kleiderkette, wo ich feststellen musste, dass die Hosen für Mamas noch enger geschnitten sind als die 'normale' Kollektion. Bei einer anderen bekannten Marke, die von der ehemaligen Partnerin eines deutschen Schauspielers mitbeworben wird, will mir und meinem Bauch auch nichts passen. Die Hosen sind zu groß und die Bauchbänder zu kurz. Die Konsequenz ist, dass ich wie eine Ente umherwatschle, um meine Hose nicht zu verlieren. 



Lille Stor, von yelp.de

Wagt man sich in Sachen Umstandsmode aus dem Internet auf die Straße, gibt es in Hamburg einige sehr schöne, kleine lokale Geschäfte, die wirklich alles bieten, was sich werdende Eltern und junge Familien wünschen. Dazu gehörte, bis vor kurzem, auch  Lille Stor, eigentlich mein Liebling. Zu meinem großem Entsetzen mußte ich vor einigen Wochen feststellen, daß beide Teile des Ladens (rechts und links eines Hauseingangs), die früher eine tolle Auswahl an Kleidung für Frauen (links), sowie Kinder und Schwangere (rechts) angeboten haben, nun beide einen Einheitsbrei für sogenannte ‚Hipster‘ im Sortiment führen.

Bei der Nachfrage, ob es Kinder- und Umstandskleidung noch gäbe, gab es nur ein sehr knappes ‚Nein‘. Schade! Schöner Laden und guter Service – futsch!   Meine Lieblingsmarke für Schwangerschaftskleidung  mamalicious muß ich nun wohl woanders suchen. Da geht es dann doch wieder ins World Wide Web. 

Wenn man schon mal da ist, schaut Euch die Kollektion von next an! Ich war leider zu spät für ihre Umstandsmode, habe aber ein ganz tolles Stillkleid gefunden zu einem super Preis-Leistungsverhältnis. Schöne Kleider gibt es es ja viele aber wenige zu so einem guten Preis in der Qualität. Wer es noch edler will, ist bei mamarella gut aufgehoben; die haben ebenfalls tolle Designs, verschicken super schnell, sind aber auch wesentlich teurer. 


Nasenbär, von eventseeker.de

Auch bei Nasenbär in der Stresemannstraße findet man diese und andere Marken für Umstandskleidung. Außerdem sind an dieses Geschäft eine Hebammenpraxis sowie ein Kursraum mit entsprechendem Kursangebot, von Geburtsvorbereitungskursen über Rückbildung bis hin zu Pekip, angeschlossen. Sozusagen alles unter einem Dach für werdende und frisch gebackene Eltern.

ACHTUNG - adendum: Der Laden hat mittlerweile leider auch geschlossen. An der Stelle ist ein Catering Laden getreten. Schade. Es wird wirklich schwer in Hamburg, Schwangerschaftsmode zu finden. Einige Teile findet Ihr noch bei FEH auf der Ottenser Hauptstrasse. 

Schwanger in Hamburg – weitere lokale Tipps



Eis Schmidt, von yelp.de

Wenn man nach dem ganzen Einkaufen mal wieder Energie tanken muss, und es wird ja wieder langsam wärmer – zumindest erzähl ich mir das jeden Tag - empfiehlt sich Eis Schmidt an der Eppendorfer Landstraße. Gelegentlich gibt es hier auch monatliche Aktionen für Schwangere, wie eine Kugel umsonst, oder die dritte zum halben Preis. Da schmeckt das Eis gleich doppelt lecker! 


Porzellanfräulein in Hamburg, von hertaland.de

Wer schon mal etwas für das Kinderzimmer basteln und sich gleichzeitig entspannen will, ist bei dem Porzellanfräulein super gut aufgehoben. Wiebke kümmert sich liebevoll um alle ihre Kunden, groß (und später) auch klein, und besonders um die unsicheren Anfänger. Männer, die sich in den Laden trauen und das Klischee des 'Frauenterrains' überwinden, bekommen hier stillen Respekt und das Maß an Aufmerksamkeit, dass sie sich wünschen. Hier ein paar Beispiele, wie wir das Zimmer unseres Zwerges verschönert haben: 





Beide Fotos von mymischmasch.blogspot.com
  
Es wird ernst: Die Auswahl des Krankenhauses

Jetzt sind wir im achten Monat und sollten uns langsam um ein Krankenhaus kümmern. Die vorhergehende Entscheidung, welches Level an Versorgung wir während der Geburt wollten, fiel uns relativ leicht, angesichts der Tatsache, dass wir uns auch bei der ersten Geburt super aufgehoben fühlten.

Damals war es für uns wichtig, auch im Notfall gut aufgehoben zu sein, was sich als weise Vorraussicht erwies. Außerdem sollte das Krankenhaus in unserer Nähe sein. Da blieben nur mehr zwei Optionen, das Altona Krankenhaus und das Albertinen Krankenhaus.

Das Altona Krankenhaus hat eine Level 1 Peri-natal-Station, sodass das Baby im schlimmsten Fall sofort operiert werden kann. Damit hatte das AK schon mal einen Heimvorteil.

Der Infoabend dort war voll, aber sehr gut gemacht. Besonders sympathisch war uns der Oberarzt der Anästhesie, der, auf die Frage, wie groß der Schlauch für eine PDA sei, trocken antwortete: ‚Naja, einen Gartenschlauch führen wir nicht ein.‘ und eine kleine Kanüle hochhielt.

Endgültig entschieden haben wir uns dann nachdem wir uns auch das Albertinen Krankenhaus angeschaut hatten. Da die vorstellende Hebamme nicht beantworten konnte, wie viele Zimmer in der Station zur Verfügung standen, und mir grundsätzlich ziemlich egal war, ob der Kreisssaal mit schönen Sternenhimmeln oder Blumen dekoriert ist, war klar – wir entbinden im Altona Krankenhaus. Und so wird es auch bei Nummer 2 sein.

Die Schwangerschaft neigt sich dem Ende zu

Im großen und ganzen, habe ich meine Schwangerschaft in Hamburg genossen. Ich habe viele tolle Ecken und Läden kennengelernt, neue Kontakte geknüpft und fühlte mich super ver- und umsorgt. Wir sehen unserer Zeit als frisch-gebackene Eltern voller Zuversicht entgegen und können nicht anders als zu sagen, dass wir uns in Hamburg ganz toll aufgehoben gefühlt haben. Die Mär der unterkühlten Nordlichter wurde für uns komplett widerlegt durch die Höflichkeit, das Interesse und gleichzeitig dem Respekt gegenüber unserer Privatsphäre. Kein einziges Mal musste ich mich und meinen Bauch vor zu neugierigen Händen schützen. Frei- und bereitwillig wurden Plätze in der Bahn und im Bus für mich angeboten, ohne dass ich etwas gesagt oder gemacht hätte. Man könnte meinen, man hat sich mit uns gefreut. Hamburg - Danke dafür! 

Eure Cary

PS: My next series - '... in Hamburg', starting off with 'pregnant in Hamburg'.





2 comments:

  1. Wieder einmal wahnsinnig gut geschrieben, Cary: humorvoll, klar beschrieben, mit wertvollen Tipps und Infos. Danke, ich lese Dein Blog sowohl auf Englisch wie auf Deutsch immer mit Genuss!

    ReplyDelete
  2. Danke für das tolle Feedback! Das freut mich riesig!

    ReplyDelete