Thursday, 15 January 2015

Förderwahn oder Lass-mal-gut-sein: Helikoptermom, me??

Nachdem scoyo mich so nett gebeten hat, und bei mir aber so viel los war in letzter Zeit, nehme ich in allerletzter Minute noch bei der Blogparade von scoyo und Schlaflose Muttis teil. Warum geht es denn fragt Ihr? Um Förderwahn, Schule und Nachhilfe.... hmmm, zum großen Teil ja noch nicht so aktuelle Themen bei uns, da wir ja noch gut 5 Jahre bis zum ersten Schultag unseres Ältesten haben und Nummer 2... naja, der muß erst mal auf die Welt kommen. 

Aber Förderwahn, den gibt es auch schon im ganz jungen Alter. Das durfte ich schon öfters feststellen, allein wenn es um die ewigen Mama- und Elternvergleiche ging.

Dennoch ist es bis jetzt nirgendswo auffälliger gewesen als im Kindergarten. Das fing an bei einer Diskussion zwischen drei Müttern, die ich überhören durfte, daß ihre Kinder im Kindergarten nicht genug Kartoffeln bekommen (Was, bitte, ist denn die Menge, bei der ein Kleinkind 'genug' Kartoffeln konsumiert? Als Österreicherin macht die Knolle keinen so riesigen Teil meiner Ernährung aus; mein Verzehr hat sich erst erhöht seitdem ich in GB gelebt habe und mit einem Iren verheiratet bin.). Und hört, im Moment zumindest,bei den Eltern eines der Mädchen in unserer Gruppe, ich nenne sie mal Lise, auf. 

Lise konnte mit 15 Monaten schon alle Wörter mit Babysign auch zurück signalisieren, die ihr beigebracht wurden. Im selben Alter wurde ihr auch das Töpfchen vorgestellt, weil sie so interessiert daran war, meinte ihre Mama. Wenn uns Lises Eltern im Kindergarten über den Weg laufen, dann sind sie meistens in lange Konversationen mit der Erzieherin verwickelt, was Lise den an dem Tag alles erlebt und gemacht hat, oder in oben genannten Diskussionen über Kartoffelverzehr. Letztens war es das Gespräch mit der Erzieherin über Lises Leistungen im Töpfchenbereich, wo stolz berichtet und kommentiert wurde, daß man die Kleine ja schon vor 2 Jahren sauber bekommen könnte. Währenddessen saß ich neben Baby, der seelenruhig seine Nachmittagssnack aß und ab und zu sich an den ersten Schritten versuchte, wenn er vom Kindertisch mal zu mir rüber wollte. Natürlich geht Lise schon. Daß sie Mama und Papa gezielt sagen kann, braucht ich jetzt ja nicht mehr dazu sagen, oder? 

Vielleicht bin ich etwas neidisch. Immerhin spricht unser Großer einzelne Worte, aber nicht immer gezielt und schon gar nicht so deutlich. Vielleicht ist mir das Ganze Theater aber auch ein bißchen suspekt. Es ist nicht so, daß Hubby und mich nicht interessiert, was Baby im Kindergarten macht. Ganz im Gegenteil. Uns ist super wichtig, daß er sich dort wohl fühlt und seinen Spaß dort hat. Daß er dort gesund ist, dessen versichern wir uns, in dem wir mindestens einmal in der Woche auf den Essensplan schauen, aber meine erste Frage beim Abholen ist sicher nicht, was er denn heute zu sich genommen hat. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Alters-'deadlines', zu denen Baby bestimmte Leistungen erbringen 'muß'. 

Wir haben auch vor dem Kindergarten nicht jeden Kurs besucht, den man mit Baby besuchen kann. Kanga fiel aus, weil ich mich mit meinem Rücken nicht getraut habe. Rückbildung und Babyschwimmen machten super viel Spaß und bei den Eltern-Kind-Gruppen haben wir uns beide gut unterhalten. PEKIP, muß ich zugeben, war nicht so unser Ding. Vielleicht kommt da bei mir die prüde Amerikanerin durch - weiß der Himmel, wo die herkommt, denn meine Amerikanische Mutter ist Alles, nur nicht prüde - vielleicht bin ich da zu sehr die Skeptikerin, aber es hat einfach nicht gepaßt. So etwas hat, meiner Meinung nach, auch wenig Sinn, wenn die Eltern keinen Spaß daran haben, denn dann wirkt sich das auch auf das Kind aus. Da sind wir starke Vertreter der 'Eltern geht es gut - Kind geht es gut' Theorie von Jesper Juul & Co. 

Für uns steht im Zentrum, daß es Baby & Co gut geht. Wie sich das auf die Zeit in der Schule auswirken wird, werden wir sehen. Werde ich, die gerne Probleme löst und anderen hilft, bei meinem Kind Abstand nehmen können, wenn meine Hilfe nicht sinnvoll ist? Werde ich akzeptieren können, daß seine Idee von 'do your best' vielleicht anders ist als meine? Ich bin schon gespannt. Für jetzt, denke ich, haben Hubby und ich unsere inneren Helikopter im Griff. Schauen wir mal, wie das in Zukunft wird..... 

PS: My contribution to a blog train on parenting style and the degree to which we hover, or try not to, over Baby & Co. 

4 comments:

  1. Vielen Dank für deinen super Beitrag.. Der Anfang hat mich ziemlich nachdenklich gestimmt, weil ich solche Eltern auch kenne... Es ist doch sehr fraglich, ob dieser ganze Stress bzw. Druck gut für ein kleines Kind ist.

    Liebe Grüße
    Nicole

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  2. Liebe Nicole. Danke für Deinen lieben Kommentar. Es ist doch immer wieder bedrückend, was für Erwartungen kleine Kinder schon im frühesten Alter erfüllen müssen. Ich frage mich da auch immer, ob das sinnvoll ist.
    Beste Grüße,
    Cary

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  3. As always, I really enjoyed your post. It made me think about my experiences with parent - baby activities that I have participated in this past half a year. I must admit that I haven't really encountered typical "helicopter parents" so far. From my observations most moms take part in the different courses, get-togethers etc. largely to bring some variety into their everyday life with baby. I can imagine that after going to work 5 days a week it can feel quite claustrophobic (for the lack of a better word) to stay in one's own four walls so getting out of the house, meeting other moms, plus doing something meaningful with the baby fells like a great choice for most. In other words, it is often done more for promoting the well-being of the parent than for making sure that baby gets on the fast track of development :)

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    1. Dear Ilzhus, thank you so much for your comment. I always enjoy hearing from my readers, and am, of course, thrilled that you enjoy my writing. I think it is great that you have had such a good experience with parent-child-groups, and I must say, also for us there was also much less of the comparing at that young age. There did seem to be a lot of parents who were glad to get out of the house. I am not sure what was different for me, but I didn't mind being at home and really enjoyed the contrast to work, but can understand the phenomenon of the own four walls getting to be too much. I particularly enjoyed chatting with parents who could, once they left home, also talk about something other than comparing baby 'achievements', as that, for me always counter-acted the point of giving the parents a chance to have a breather from their baby routine. What is your experience here? Do the parents in your groups discuss a variety of topics as well?
      Kind Regards, Cary

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