Tuesday, 16 December 2014

Expat Eltern (Serie 3) - Miriam erzählt von ihrem Leben in Italien

Heute freue ich mich besonders, Euch meine Blogger Kollegin und die Autorin Miriam vorstellen zu dürfen. Sie lebt mit ihrer Familie im wunderbaren Rom, und läßt uns hier ein bißchen von bella Italia träumen. 

Viel Spaß! 



Zu meiner Person:
Miriam Covi wurde 1979 in Gütersloh geboren und entdeckte schon als Kind ihre
Leidenschaft fürs Schreiben. Ihre Arbeit als Fremdsprachenassistentin führte sie nach New
York City, wo sie ihre Erlebnisse im Weblog »Mitten in Manhattan« auf der Internetseite
der Zeitschrift »Brigitte« festhielt. Gemeinsam mit ihrem Mann lebte Miriam ein paar
Jahre in Berlin, bevor das Paar aus beruflichen Gründen nach Rom zog. Wenn ihre zwei
kleinen Töchter sie dazu kommen lassen, schreibt Miriam Romane – ihr erster Roman „Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich“ wurde als E-Book bei Knaur veröffentlicht; ihr Roman „Storchenhelfer“ wird im Februar 2015 ebenfalls als E-Book und im Mai 2015
als Taschenbuch bei Knaur erscheinen. Mehr über Miriam Covi findet man bei Facebook
(www.facebook.com/miriamcoviautorin) und auf ihrer Homepage (www.miriamcovi.de), wo sie auch mehr oder weniger regelmäßig bloggt – so oft es mit kleinen Kindern eben geht...

Erzähle uns wie Du dazu gekommen bist, ein Expat Elternteil zu sein?

Eigentlich war unser Expat-Leben nie meine Ideal-Vorstellung von einem Leben
mit Kindern. Ich selbst bin in einem Dorf in Ostwestfalen aufgewachsen, habe
noch immer dieselben Freundinnen wie in Kindergarten und Grundschule. Das war
immer die Art von glücklicher Kindheit, die ich auch meinen Kindern gewünscht
habe. Als ich begonnen habe, als Fremdsprachenassistentin beim Auswärtigen Amt
zu arbeiten, habe ich mir daher vorgenommen, dieses Nomaden-Leben mit den
ständig wiederkehrenden Umzügen nur ein paar Jahre lang mitzumachen und mir
dann einen Job in Deutschland zu suchen. Doch wie es so ist im Leben: Es kam
anders. Ich lernte meinen Mann, ebenfalls ein deutscher Diplomat, kennen und
lieben, und da er diesen verrückten Job durchaus sein Leben lang weitermachen
will, hänge auch ich nun in diesem Expat-Leben – und liebe es meistens!

Wirkt sich die Tatsache, daß Du oder dein Partner Expats sind auf
Euren Erziehungsstil aus?
 

Puh, schwer zu sagen, da unsere Töchter ja noch klein sind (2 Jahre und ein
bisschen sowie 11 Monate) und ich mir bisher noch gar keine Gedanken darüber
gemacht habe, ob wir einen bestimmten Erziehungsstil haben. Ich merke allerdings,
dass ich mehr und mehr versuche, meinen Kindern deutsches Kulturgut zu
vermitteln: Wir haben im Herbst viele Sankt-Martins-Lieder gesungen und
sind jetzt zu den deutschen Weihnachtsliedern übergegangen. Im bilingualen
Kindergarten unserer Ältesten werden italienische und englische Lieder gelernt,
aber mir ist es wichtiger als ich früher gedacht hätte, dass meine Töchter nicht
nur „Jingle Bells“ können, sondern auch „Ihr Kinderlein kommet“. Schließlich
werden sie ohnehin nur wenig von der Heimat ihrer Eltern mitbekommen – da
sollen sie wenigstens mit deutschen Kinderbüchern, Liedern etc. aufwachsen.

Was genießt Du am meisten am Expat-Dasein? 

Dass wir Länder intensiv kennenlernen dürfen. Wir verbringen nicht nur zwei
Wochen im Hotel, wo wir mit anderen Touristen am Pool liegen, sondern führen
ein Alltagsleben, das bei Weitem nicht nur Urlaubsmomente mit sich bringt.
In Rom von A nach B zu kommen ist immer wieder eine Herausforderung und
diese Stadt stresst einen oft ganz schön, vor allem mit kleinen Kindern. Aber
dafür bekommen wir hier die beste Pizza und das leckerste Eis. Wir können mal
eben für ein langes Wochenende in die Toskana oder an die Amalfi-Küste fahren
und bis Anfang Dezember habe ich meine Winterjacke nur zweimal getragen.
Ich lerne nicht nur an der Volkshochschule Italienisch, sondern vor Ort, wenn
ich im Supermarkt Büffelmozzarella bestelle oder mit der Kinderärztin über den
Schnupfen unserer Jüngsten spreche. Die Freundinnen, mit denen ich mich treffe,
damit unsere Kinder zusammen spielen können, kommen aus den Niederlanden,
Kanada, Österreich und Estland – und natürlich aus Italien. Wir lernen immer
wieder interessante Leute aus allen möglichen Ecken der Welt kennen und das
finde ich wahnsinnig spannend und bereichernd. Das Expat-Dasein bringt also,
trotz so mancher Abstriche, viele Vorteile mit sich und ich möchte mich nicht
beklagen. Vor allem möchte ich es nicht anders haben, wenn mich auch manchmal
das Heimweh überkommt.

Was fällt Dir als Expat, bzw Expat Elternteil schwer? 

Ich finde es schwer, so weit weg von meinen eigenen Eltern zu sein. Besonders
hier in Rom wird einem immer wieder vor Augen gehalten, wie schön es ist, die
Großeltern in der Nähe zu haben: Im Kindergarten werden die Kleinen von Nonna
und Nonno abgeholt; im Wartezimmer der Kinderärztin sitzen Mamma, Nonna
und Enkel gemeinsam. Die Großeltern sind hier wichtige Stütze, denn viele Mütter
müssen schon bald nach der Geburt wieder arbeiten. Zwar muss ich selbst noch
nicht wieder ins Büro gehen, aber wenn die Kinder und ich mal wieder gleichzeitig
krank sind, wünsche ich mir, nah bei meinen Eltern zu wohnen, so dass diese
einfach mal vorbeischauen und uns unter die Arme greifen könnten. Ich sehne mich
oft nach meinem Heimatdorf, nach Familie und Freundinnen, die man höchstens
zweimal im Jahr bei Besuchen in Deutschland sieht. Diese Besuche werden in den
nächsten Jahren noch schwieriger werden als bisher, denn ab kommendem Sommer
werden wir nicht nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt sein, sondern
wesentlich mehr, da wir sehr wahrscheinlich den Kontinent wechseln werden. Dass
unsere Kinder wenig von Deutschland mitbekommen, mein Heimatland womöglich
nicht als ihr eigenes Heimatland empfinden werden, ist ein Gedanke, an den ich
mich erst gewöhnen muss. Dafür weiß ich auch: Meine Töchter werden viele
Privilegien genießen, die sie in Deutschland nicht hätten. Sie werden mit mehreren
Sprachen aufwachsen, werden interessante Länder, Menschen, Kulturen kennen
lernen, Freunde auf verschiedenen Kontinenten haben. Ich hoffe nur, dass sie nicht
zu sehr darunter leiden werden, alle paar Jahre Schule und Freundeskreis wechseln
zu müssen.

Was würdest Du Eltern mitgeben, die überlegen, sich an das Expat-
Dasein heranzuwagen? 

Genießt die Zeit im Ausland und vermittelt euren Kindern die Freude daran, ein
neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache zu entdecken. Betrachtet es
nicht als selbstverständlich, so eine Chance zu bekommen – und trauert nicht nur
Deutschland hinterher, vergleicht nicht alles mit der Heimat. Auch ich meckere viel
zu oft über all das, was in Italien nicht funktioniert und angeblich in Deutschland so
viel besser läuft. Freut euch über das Fremde, Exotische, Neue – dann werden auch
eure Kinder positiv an das Erlebnis Expat-Leben herangehen!

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