Wednesday, 3 December 2014

Expat Eltern (Serie 3) - Michaela aus Niederösterreich

Ich freue mich, Euch heute schon einen weiteren Teil der Interviewserie Expat Eltern präsentiere zu dürfen. Michaela kommt, wie ich, aus Österreich, aber doch wieder anders, weil sie aus einem rein österreichischen Hintergrund (auch wieder ein interessantes Thema, da 'österreichisch' nicht immer gleich 'österreichisch' war; aber das ist wieder ein anderes Thema...) heraus sich durch ihre kleine Familie als Expat Elternteil wiederfindet. 

Viel Spaß beim Lesen! 
Eure 
Cary


Wer sind wir?
Wir, das sind Oscar Lua Murgueitio und Michaela König. Er: aus Ecuador. Sie: aus Österreich. Wir leben im ländlichen Niederösterreich und erziehen unsere Kinder zweisprachig (Deutsch/Mostviertlerisch und Spanisch). Aus diesem Grund setzen wir uns auch mit dem Thema Zweisprachigkeit auseinander.



Erzähle uns, wie Du dazu gekommen bist, ein Expat-Elternteil zu sein.
Ich selbst bin eine ganz normale, hundertprozentige Österreicherin, deren Stammbaum sich nie recht weit aus den Grenzen des Heimatlandes hinausgetraut hat. Meine Liebe für Sprache habe ich schon in Kinderschuhen entdeckt, denn ich war schon immer eine wahre Leseratte und habe die Bücher erbarmungslos verschlungen  eine Eigenschaft, die ich und meine drei Schwestern miteinander teilen. Die erste Reise ins Ausland (nach Italien) kam verhältnismäßig spät, als ich bereits Teenager war. Dennoch brannte in mir das Interesse an und die Neugierde auf fremde Sprachen und Kulturen, und ich entschied mich, bis zur Matura (Abitur) zusätzlich zu Englisch und Französisch auch Spanisch zu erlernen und mir später an der Universität das Handwerk des Übersetzens anzueignen. Den Expat-Part übernimmt in unserer Familie mein Mann, der aus Ecuador stammt und vor knapp fünf Jahren mit mir in meine Heimat gezogen ist.

Wirkt sich die Tatsache, dass Du oder Dein Partner Expats sind, auf Euren Erziehungsstil aus? 

Wir sind uns als Eltern absolut darin einig, dass sich der jeweilige persönliche Hintergrund eines jeden Elternteils ­ ob Expat oder nicht auf den Erziehungsstil einer Person auswirkt. Es sind stets kulturelle oder familiäre Gegebenheiten, die uns als Mensch prägen, daher kann man die eigene Kultur und die eigene Lebenserfahrung ohnehin niemals wegschalten; schon gar nicht, wenn man ein Kind erzieht. Die Bereicherung, die für uns das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen in einer Familie darstellt, ist vor allem die Tatsache, dass man das Bekannte, das Vertraute, das, was eben in den eigenen Kultur- oder Familienbanden als „normal“ gilt, vielleicht dadurch, dass man sich stets mit anderen Formen oder anderen Wegen konfrontiert sieht, etwas reflektierter betrachtet und bewertet.
Dass wir unseren Sohn (und unser zweites Kind, das im Frühjahr 2015 das Licht der Welt erblicken wird) zweisprachig erziehen werden, stand von Anfang an außer Frage. Als Strategie haben wir uns für OPOL entschieden; jeder von uns spricht in seiner Muttersprache mit den Sprösslingen. Miteinander sprechen mein Mann und ich Spanisch. Wir können nicht nachvollziehen, wenn jemand diese Chance nicht ergreift, obwohl sie ihm geboten wird. So lernte zum Beispiel der Vater meines Mannes, der selbst Expat aus China in Ecuador war, seinen Kindern nie Kantonesisch, und auch ein weiterer aus Korea stammender Bekannter hat seine Sprache und damit auch seine Kultur nicht an seine beiden Söhne weitergegeben. Damit fehlt ihnen unseres Erachtens auch ein Teil ihrer Wurzeln.

Was genießt Du am meisten am Expat-Dasein? 

Dass wir zwar in einer Familie, aber in zwei Kulturen zu Hause sein dürfen. Das bereichert nicht nur unsere Weltanschauung, sondern u. a. auch unseren Speiseplan, unseren Freundeskreis, unseren Musikgeschmack …

Was fällt Dir als Expat schwer? 

Die Kehrseite der Medaille ist die räumliche Distanz zu jenem Teil der Familie, der in unserem Fall auf der anderen Seite des Ozeans lebt. Gerade weil Ecuador und Österreich so weit voneinander entfernt liegen, ist es nicht möglich, häufig auf Besuch zu fahren bzw. häufig Besuch aus Ecuador zu empfangen. Diese Reisen stellen einen beachtlichen Kosten- und Zeitfaktor dar. So sehr wir es immer alle genießen, ein paar Wochen pro Jahr in Ecuador zu verbringen, so schwer fällt es uns allen, dass es eben immer nur ein paar Wochen sind. Skype, WhatsApp & Co. sind hier zwar ein Segen, aber sie können dennoch das persönliche Zusammensein mit den Liebsten nicht ersetzen.

Was würdest Du Eltern mitgeben, die überlegen, sich an das Expat-Dasein heranzuwagen?
Wir denken, dass vor allem jener Elternteil (oder wenn es beide sind, eben beide) sich ganz stark ins Bewusstsein rufen muss, was diese Entscheidung langfristig bedeuten wird und sich ganz bewusst mit den Vor- und Nachteilen auseinandersetzen sollte. Das ist keine Entscheidung, die man „eben so“ treffen sollte, schon gar nicht, wenn auch Kinder involviert sind. Als Vorbereitung ist es natürlich unumgänglich, die Sprache des Landes zu beherrschen, in das man seinen Lebensmittelpunkt verlegen möchte, und sich selbst mit der Kultur der Menschen auseinanderzusetzen. Man muss lernen und akzeptieren, dass es Dinge geben wird, die man nicht mögen wird, genauso wie es vieles geben wird, das man lieben und schätzen lernen kann. Abhängig davon, wohin man auswandern möchte, ist es bestimmt von Vorteil, sich nicht nach kulturellen Gruppen des eigenen Herkunftslandes umzusehen, sondern aktiv zu versuchen, sich lokal zu integrieren. Nur so kann man sich nach einer individuellen Anpassungsphase, die man sich auf jeden Fall eingestehen muss, in diesem Land und der zugehörigen Kultur wirklich wohl und zu Hause fühlen.


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